Freie Netzausgleichung 2D Netz (Software)

Stephan, Montag, 27. Juni 2016, 17:21 (vor 361 Tagen)

Hi Michael,

erstmal großes Lob, dass Du so eine Software auf die Beine gestellt hast. Spitze!
Ich versuche gerade ein kleines Lagenetz 2D auszugleichen.

Habe Horizontalstrecken und Richtungen (Horizontalwinkel) komfortabel importiert.

Kann ich das Netz auch ohne mir vorliegende Koordinaten ausgleichen? Habe folgende Nachricht bekommen:

"Fehler, das aufgestellt Gleichungssytem ist singulär und konnte nicht geläst werden!!


Sorry, ich bin Neuling in der Ausgleichung. Ich kannte es Höhenmäßig von Nivnet (Aufsatz von Nigra), dass man das Netz auch ohne bekannte Koordinaten ausgleichen kann. Im Prinzip frei.


Ich habe dann Koordinaten importiert und diese dann unter den Eigenschaften auf Datumspunkte gestellt. Das ist doch die Vorgehensweise für die freie Ausgleichung?

Dann würde ich es dynamisch ausgleichen, die Punkte als Anschlußpunkte deklarieren und neu rechnen lassen. Somit bekomme ich ein Urteil über die Festpunkte und kann dann ggf. Punkte mit schlechter Qualität deaktivieren.Die Netzgeometrie bleibt erhalten, es wird nur in den Schwerpunkte der aktiven Anschlußpunkte gelegt.

Entweder man lässt das dann so oder gleicht das Ganze nochmal hierarchisch aus. Punkte würde man dann als Festpunkte definieren.

Stimmt das so in Etwa:)?

Vielen Dank schon mal im Voraus.

Viele Grüße

Stephan

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Freie Netzausgleichung 2D Netz

Micha ⌂, Bad Vilbel, Montag, 27. Juni 2016, 17:46 (vor 361 Tagen) @ Stephan

Hallo Stephan,

Habe Horizontalstrecken und Richtungen (Horizontalwinkel) komfortabel importiert.

Okay. Hast Du auch die Punkte (Stand- und Zielpunkte) mit importiert oder nur die Beobachtungen?

Kann ich das Netz auch ohne mir vorliegende Koordinaten ausgleichen?

Für ein 2D und ein 3D Netz musst Du zumindest hinreichend gute Näherungswerte vorgeben. Wenn Du kein exotisches Datenmaterial hast, kannst Du auch die Näherungskoordinaten von JAG3D bestimmen lassen. Hierzu muss aber jeder Punkt zumindest als Objekt vorliegen, im Zweifelsfall mit den Pseudokoordinaten [0/0].

Die Näherungswerte sind notwendig, da Du - im Gegensatz zum Nivellement - ein nicht-lineares Gleichungssystem hast, welches zu linearisieren ist.

"Fehler, das aufgestellt Gleichungssytem ist singulär und konnte nicht geläst werden!!

Fehlende Näherungswerte könnten diese Meldung provozieren.

Ich kannte es Höhenmäßig, dass man das Netz auch ohne bekannte Koordinaten ausgleichen kann.

Ja, beim Höhennetz benötigst Du bzgl. der Punkte auch keine Näherung, weil es ein linearer Zusammenhang ist. Aber auch hier musst Du ein Punktobjekt für jeden Punkt anlegen bspw. mit der Pseudohöhe Null.

Im Prinzip frei.

Unter einer freien Ausgleichung verstehen wir einen bestimmten Ausgleichungsmodus. Ich bin mir nicht sicher, ob wir beide darunter das selbe verstehen. Es hat nichts damit zu tun, ob Du im Netz Punkte "vorgeben" musst oder eben nicht.
Pierre hat hierzu im Wiki einen Eintrag verfasst, der die Netzanschlüsse mal klassifiziert.

Ich habe dann Koordinaten importiert und diese dann unter den Eigenschaften auf Datumspunkte gestellt. Das ist doch die Vorgehensweise für die freie Ausgleichung?

Ja, dass ist korrekt. Diese (und auch die möglichen Neupunkte) sollten aber dennoch Näherungswerte besitzen - s.o.

Dann würde ich es dynamisch ausgleichen, die Punkte als Anschlußpunkte deklarieren und neu rechnen lassen.

Das hängt von Deiner Aufgabe ab. Bei einer Deformationsanalyse wäre i.A. nach der freien Ausgleichung bereits Schluß. Wenn Du aber einen Anschluß an ein bestehendes Netz realisieren möchtest, ist dass eine mögliche Vorgehensweise. Was mich jedoch wundert ist, dass Du in diesem Fall ja doch Koordinaten von (einem Teil der) Punkten hast. Diese könntest Du auch bei der freien Ausgleichung bereits verwenden und lediglich für die übrigen Punkte die Näherungen ableiten.

Somit bekomme ich ein Urteil über die Festpunkte und kann dann ggf. Punkte mit schlechter Qualität deaktivieren.

Die Qualität der Punkte kannst Du hier beurteilen, wenn es genügend Kontrolle gibt. Sollte einer der Punkte als Ausreißer deklariert werden, würde ich diesen aber nicht deaktivieren, sondern als Neupunkt im Modell belassen. Die Messungen zu bzw. von diesem Punkten waren ja in Ordnung (Ergebnis der freien Ausgleichung).

Die Netzgeometrie bleibt erhalten, es wird nur in den Schwerpunkte der aktiven Anschlußpunkte gelegt.

Nein. Das Netz steht unter Zwang. Du führst ja Unsicherheiten für die Punkte ein. Wenn Du also bspw. einstellst, dass Deine Punkte 0,1 µm genau wären, sind diese quasi fest und haben nur noch wenig Spielraum. Folglich üben sie Zwang auf Deine Messungen aus.
Deine Formulierung trifft eher auf die freie Ausgleichung zu.

Entweder man lässt das dann so oder gleicht das Ganze nochmal hierarchisch aus.

Das ist dann noch eine akademische Auswertung. Die hierarchische wird meines Wissens nicht mehr praktiziert. In einigen Vorschriften wird explizit nur noch die dynamische Auswertung zugelassen. Schau Dir mal die Vorschriften aus NRW an.


Viele Grüße
Micha

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Tags:
Netzausgleichung, JAG3D, Netz, 2D, freie Ausgleichung

Freie Netzausgleichung 2D Netz

Stephan, Montag, 04. Juli 2016, 12:49 (vor 354 Tagen) @ Micha

Hallo Micha,

vielen Dank für Deine schnelle Antwort. Werde vermutlich Dich jetzt noch öfters nerven müssen:).

Habe die Vorträge im Forum so ein bißchen mal durchgelesen. Wenn ich Horizontalrichtungen habe, dann muss ich für jeden Standpunkt eine einzelnen Datei erzeugen und importieren?
Wenn ich aber Horizontalwinkel habe dann kann ich das alles in eine Gruppe importieren?
Wie ist das mit den Strecken ( Horizontalstrecken und Schrägstrecken )? Müssen diese auch nach Standpunkten getrennt werden?

Du hattest mit den Koordinaten natürlich Recht. Ich habe die mal mit den Pseudokoordinaten (0/0) eingelesen und dann hat das auch geklappt.

Wie stelle ich das nun an, dass meine Netzgeometrie erhalten bleibt und das Netz in den Schwerpunkt der Anschlußpunkte gelegt wird. Die Punkte müsste man dann als Anschlußpunkte definieren. Wenn ich die Genauigekit sehr hoch ansetze verhält es sich wie bei einer Hierarchischen Ausgleichung und würden Spannungen auch das Netz ausüben. Möchte aber eigentlich die genaue Netzgeometrie erhalten.
Die Anschlußpunkte sind mit GPS bestimmt. Einmal Vormittags und einmal Nachmittags um verschiedene Satellitenkonstellationen zu erhalten, anschließend wurden die dann einfach gemittelt. Mit dieser Vorgehensweis haben wir immer sehr gute Ergebnisse erzielt. Die Höhen sind natürlich nivelliert:).

Im Protokoll von Nivnet kann ich die Ausreißer durch die Normierte Verbesserung identifizieren, gibt es das in deinem Programm auch?

Viele Grüße

Stephan

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Freie Netzausgleichung 2D Netz

Micha ⌂, Bad Vilbel, Montag, 04. Juli 2016, 15:42 (vor 354 Tagen) @ Stephan

Hi Stephan,

Habe die Vorträge im Forum so ein bißchen mal durchgelesen. Wenn ich Horizontalrichtungen habe, dann muss ich für jeden Standpunkt eine einzelnen Datei erzeugen und importieren?

Die Gruppen definieren sich über die Zusatzunbekannten und der Möglichkeit eines einheitlichen stoch. Modells. Alle Beobachtungen, die ein und dieselbe Zusatzunbekannte besitzen, müssen demnach in die selbe Gruppe. Ferner kann man die Gruppengenauigkeiten einstellen, die dann auf die Beobachtungen der Gruppe übertragen wird.

Bei den Richtungen ist es die Orientierung des Teilkreises, die unbekannt ist. Folglich müssen die Richtungen zusammengefasst werden, die die selbe Orientierung haben - also der Richtungssatz (oder die Sätze mit identischer Orientierung, wenn bspw. 2 Vollsätze gemessen wurden).

Wenn ich aber Horizontalwinkel habe dann kann ich das alles in eine Gruppe importieren?

Ja, weil die Orientierung hier wohl nicht mehr unbekannt ist.

Wie ist das mit den Strecken ( Horizontalstrecken und Schrägstrecken )? Müssen diese auch nach Standpunkten getrennt werden?

Wenn Du für eine Streckengruppe einen separaten Maßstab schätzen willst, müsstest Du diese trennen. Solltest Du mit zwei unterschiedlichen Instrumenten arbeiten, macht es ggf. auch Sinn die Daten zu trennen, um ein stochastisches Gruppenmodell pro Instrument aufstellen zu können. Ansonsten können alle Beobachtungen hier aber in eine einheitliche Gruppe.

Wie stelle ich das nun an, dass meine Netzgeometrie erhalten bleibt und das Netz in den Schwerpunkt der Anschlußpunkte gelegt wird.

Dies wird nur bei der freien Ausgleichung möglich sein. In jeder anderen Variante wird Anschlußzwang ausgeübt. Die Anschlußpunkte sollten dann Datumspunkte sein.

Die Punkte müsste man dann als Anschlußpunkte definieren. Wenn ich die Genauigekit sehr hoch ansetze verhält es sich wie bei einer Hierarchischen Ausgleichung und würden Spannungen auch das Netz ausüben. Möchte aber eigentlich die genaue Netzgeometrie erhalten.

Wenn Deine Punkte soviel Spannung ausüben, sind sie dann für den Anschluß überhaupt geeignet? Ich würde, wenn eine dynamische Netzausgleichung durchgeführt werden soll, den Anschlußpunkten realistische Unsicherheiten geben. Dann solltest Du vor allem aus Sicht der Nachbarschaft eine gute Einpassung haben und kannst die Punkte direkt auf Veränderung hin untersuchen.

Die Anschlußpunkte sind mit GPS bestimmt. Einmal Vormittags und einmal Nachmittags um verschiedene Satellitenkonstellationen zu erhalten, anschließend wurden die dann einfach gemittelt. Mit dieser Vorgehensweis haben wir immer sehr gute Ergebnisse erzielt. Die Höhen sind natürlich nivelliert:).

Dann führe diese doch mit eine GNSS-typischen Unsicherheit als Anschlußpunkte ein: bspw. 1-5 cm. Für die Höhe kannst Du diese ja ggf. noch etwas nach oben anpassen entsprechend Deiner Erfahrungen. Ich finde diese Vorgehensweise legitim.

Im Protokoll von Nivnet kann ich die Ausreißer durch die Normierte Verbesserung identifizieren, gibt es das in deinem Programm auch?

Selbst verständlich hat JAG3D entsprechende Teststatistiken für die Beobachtungen. Es sind jeweils die letzten Spalten mit dem Namen Tprio bzw. Tpost. Eine Zusammenstellung der Tabellenbezeichnungen findest Du im Wiki. Derzeit werden einige Bilder nicht geladen. Das muss ich am WE mal prüfen. Mein Provider hatte vor kurzem einen 24 h Ausfall, seit dem sind diese weg.


Viele Grüße
Micha

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Tags:
JAG3D, freie Netzausgleichung, Datum, Datumspunkte, Anschlußpunkte

Freie Netzausgleichung 2D Netz

Stephan, Dienstag, 05. Juli 2016, 17:11 (vor 353 Tagen) @ Micha

Hallo Micha,

also ich habe gestern Nachmittag mal ein kleines Netz gemessen. Will und muss mich in die Thematik Netzausgleichung intensiver einarbeiten.

Ich habe pro Standpunkt einen Vollsatz gemessen. Folgendermaßen schaut mein Datenmaterial aus.

Festpunkte vom AG:

FP38 3482905.154 5574161.840 161.953
FP39 3482818.513 5574211.650 161.115
FP40 3482732.778 5574263.318 162.419

Neupunkte:

S1 0 0 0
S2 0 0 0
9010 0 0 0
9011 0 0 0

Die Neupunkte werden im Regelfall immer mit den koordinaten 0,0,0 importiert?

Beobachtungen:

i t Hz Vz Schrägstrecke
S1 FP38 0.000 1.590 123.7525 101.9843 155.324
S1 FP38 0.000 1.590 323.7502 298.0167 155.326
S1 FP40 0.000 1.590 364.6882 105.2594 53.000
S1 FP40 0.000 1.590 164.6866 294.7422 52.999
S1 FP39 0.000 1.590 107.3967 106.1741 58.600
S1 FP39 0.000 1.590 307.3948 293.8277 58.601
S1 9010 0.000 1.600 264.0697 102.4771 10.398
S1 9010 0.000 1.600 64.0693 297.5256 10.398
S1 9011 0.000 1.600 36.9358 98.1339 26.206
S1 9011 0.000 1.600 236.9358 301.8664 26.206

S2 FP38 0.000 1.590 131.0911 102.2305 157.022
S2 FP38 0.000 1.590 331.0891 297.7690 157.023
S2 FP39 0.000 1.590 127.3567 107.0326 57.468
S2 FP39 0.000 1.590 327.3552 292.9666 57.469
S2 FP40 0.000 1.590 343.8757 107.2783 44.110
S2 FP40 0.000 1.590 143.8756 292.7200 44.110
S2 9011 0.000 1.600 66.3883 99.2977 9.671
S2 9011 0.000 1.600 266.3862 300.7054 9.671
S2 9010 0.000 1.600 236.8878 102.5109 27.024
S2 9010 0.000 1.600 36.8881 297.4881 27.025

War mir da auch wieder unsicher ob man für jeden Standpunkt eine Datei machen muss...sorry...

Nach dem Import. Festpunklte vom AG habe ich als Datumspunkte deklariert und S1/S2/9010/9011 als Neupunkte. Habe ich dann Näherungskoordinaten rechnen lassen. Und die Berechnung gestartet. Leider stimmen die Koordinaten der Neupunkte nicht. Habe micgh draußen zweimal frei Stationiert und die gemessenen Koordinaten gemittelt. Daher weiß ich schon mal wo die Reise hingehen soll.
Habe dann nochmal die Beobachtungen entfernt und nur die Beobachtungen von Lage I importiert, das Ganze nochmal rechnen lassen (frei)= und die Ergebniskoordinaten haben gepasst.
Muss ich beim Mitteln (automatische Mittelbildung) in JAG3D etwas Spezielles beachten?
Der Mittelwert der Koordinaten die ich im Außendienst berechnet hatte lag bei:
9010 3482751.805 5574212.860 166.376
9011 3482774.944 5574240.326 167.548

In der Legende der Netzskizze steht neben der Fehlerellipse ein Wert, ist das der durchschnittliche Fehler? Bzw. wo erkenne ich die durchschnittliche mittlere Genauigkeit?

Vielen lieben Dank schon mal im Voraus.

Viele Grüße

Stephan

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Freie Netzausgleichung 2D Netz

Micha ⌂, Bad Vilbel, Dienstag, 05. Juli 2016, 18:51 (vor 353 Tagen) @ Stephan

Hallo Stephan,

zunächst solltest Du näher beschreiben, was Du eigentlich benötigst. Im Betreff hast Du 2D-Netz geschrieben. Deine Koordinaten sehen nicht so aus, als wären es lokale Koordinaten - Stichwort: Abbildungsreduktionen. Derartige Reduktionen lassen sich jedoch nur bestimmen, wenn Du die Lage von der Höhe trennst, da die Abbildung (Projektion) von der Höhe unabhängig definiert ist - dennoch hast Du nur räumliche Beobachtungen vorgegeben. Hier bräuchte ich also etwas mehr Input von Dir. Wenn auch die Höhe interessiert, wäre ggf. eine 2D+H-Lösung für Dich geeigneter.

JAG3D rechnet aus dem Vertikalwinkel und der Schrägstrecke keine horizontalen Entfernungen bzw. Höhenunterschiede. Das müsstest Du
a) entweder selbst vorab machen in bspw. Excel oder
b) vom Instrument direkt berechnen lassen.
Was für einen Instrumentenhersteller verwendest Du? Für Leica und Trimble gibt es entsprechende Routinen in JAG3D.

Ausgehend davon, dass Du tatsächlich nur ein 2D-Netz haben willst, habe ich mal folgende Horizontalstrecken bestimmt via sh = sin(z)*s und in einer Datei strecken2d.txt zusammengefasst.

S1 FP38 0.000 1.590 155.2485554576530 
S1 FP38 0.000 1.590 155.2506305033420 
S1 FP40 0.000 1.590  52.8192363893116 
S1 FP40 0.000 1.590  52.8183497014322 
S1 FP39 0.000 1.590  58.3246314955171 
S1 FP39 0.000 1.590  58.3257872120763 
S1 9010 0.000 1.600  10.3901296896936 
S1 9010 0.000 1.600  10.3901468352130 
S1 9011 0.000 1.600  26.1947423115919 
S1 9011 0.000 1.600  26.1947386919187 
                     
S2 FP38 0.000 1.590 156.9256325669550 
S2 FP38 0.000 1.590 156.9265887481320 
S2 FP39 0.000 1.590  57.1177114167324 
S2 FP39 0.000 1.590  57.1186257017182 
S2 FP40 0.000 1.590  43.8220390322372 
S2 FP40 0.000 1.590  43.8219046444887 
S2 9011 0.000 1.600   9.6704115330534     
S2 9011 0.000 1.600   9.6704063265747     
S2 9010 0.000 1.600  27.0029834258619 
S2 9010 0.000 1.600  27.0039659061091

Aus Deinen beiden Vollsätzen habe ich zwei Dateien erzeugt riwi_1.txt und riwi_2.txt.

Importiert habe ich für die Testrechnung Deine Datumspunkte (2D):

FP38 3482905.154 5574161.840 
FP39 3482818.513 5574211.650 
FP40 3482732.778 5574263.318 

,

die Neupunkte (2D):

S1   0 0 
S2   0 0
9010 0 0
9011 0 0

sowie die beiden Richtungssätze und die Strecken. Insgesamt hatte ich also fünf Dateien (datumspunkte.txt, neupunkte.txt, riwi_1.txt, riwi_2.txt, strecken2d.txt)

Da für die Neupunkte keine Näherungskoordinaten vorliegen, habe ich diese vom Programm bestimmen lassen mit der Option "Nur Neupunktkoordinaten bestimmen", sodass die Koordinaten von den FP-Punkten nicht verändert werden. Ich erhalte als Näherung:

        S1  +3482760.591414  +5574218.417936  
        S2  +3482766.592760  +5574235.453151  
      9010  +3482751.813187  +5574212.860644  
      9011  +3482774.950165  +5574240.324591  

Was eigentlich ganz gut zu Deinen Werten passt, finde ich.

Mit der anschließenden Mittelwertbildung werden die Beobachtungen in den Gruppen gemittelt, sodass mgl. Instrumentenfehler eliminiert werden. Ich erhalte folgende Lösung:

[image]

Leider stimmen die Koordinaten der Neupunkte nicht.

Ich kann das so nicht bestätigen. Wie oben gezeigt funktioniert es bei mir erwartungsgemäß. Welche Einstellungen hast Du verwendet, waren die Daten schon gemittelt oder nicht usw. Wichtig ist, dass die erste Richtung immer in Lage I vorliegen muss, damit der Algorithmus den Punkt nicht auf die falsche Seite setzt. Im Wiki auf der genannten Seite steht auch extra: Aus diesem Grund sind bereits hinreichend gute Näherungswerte notwendig, damit für die gemessenen Richtungen eine zuverlässige Zuordnung der Lage I bzw. II erfolgen kann.

Muss ich beim Mitteln (automatische Mittelbildung) in JAG3D etwas Spezielles beachten?

Es sollten Näherungskoordinaten vorliegen, sonst kann JAG3D keinen sinnvollen Abriß für die Orientierungen Deiner Vollsätze bestimmen. Daher gilt: 1. Näherungskoordinaten und dann Mitteln - das Menü ist extra so aufgebaut.

Der Mittelwert der Koordinaten die ich im Außendienst berechnet hatte lag bei:
9010 3482751.805 5574212.860 166.376
9011 3482774.944 5574240.326 167.548

Die hättest Du auch importieren können, wenn Du die Information schon hast. Du kannst also alle Informationen, die Du hast, in die Auswertung miteinbeziehen und dann ggf. bestimmte Schritte - wie Näherungen bestimmen - überspringen.

In der Legende der Netzskizze steht neben der Fehlerellipse ein Wert, ist das der durchschnittliche Fehler?

Die große Halbachse der dargestellten Ellipse in der Legende entspricht diesem Wert. In meinem Fall sind dies 2,9 mm

Bzw. wo erkenne ich die durchschnittliche mittlere Genauigkeit?

Du meinst den mittleren Punktfehler nach Helmert? Der wird in JAG3D nicht bestimmt, da das Konfidenzintervall berechnet wird, welches auch eine statistische Interpretation zulässt.

Hilft Dir das weiter?

Viele Grüße
Micha

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Freie Netzausgleichung 2D Netz

Stephan, Mittwoch, 06. Juli 2016, 17:22 (vor 352 Tagen) @ Micha

Hallo Micha,

das klappt ja so langsam immer besser. Toll, dass es das Programm gibt und toll, dass Du einem im Forum so gut und so schnell immer hilfst. Großes Lob!

Ja, ich wollte eigentlich nur ein 2D Lagenetz ausgleichen. So auch der ursprüngliche Titel meines Eintrages.Die Reduktionen kann man meines Erachtens bei meinem kleinen Netz vernachlässigen. Bei größeren Gebieten macht das natürlich auf jeden Fall Sinn.

Bei den Zenitdistanzen müsste ich dann auch pro Standpunkt eine Importdatei machen?

Aber das im Prinzip immer nur wenn ich einen Vollsatz gemessen habe?

Du hattest geschrieben man könnte die Ausgleichung auch trennen (2D+H-Lösung). Wie bewerkstellige ich das in Jag3D? Einmal ein Projekt mit nur 2D Beobachtungen und 2D Punkten rechnen? Und dann nochmal ein neues Projekt mit den 1D Elementen? Oder gibt es eine andere Möglichkeit?

Früher hatte ich immer ein Leica Gerät im Einsatz, seit einem Jahr bin ich mit einem Trimble S6 + TSC3 Trimble Access unterwegs. Im LGO konnte man sehr komfortabel die polaren Messelemente exportieren. Im Trimble HCE kann bekomme ich leider nicht die Horizontalstrecke raus. Alles andere lässt sich exportieren (Schrägstrecke/Zenitdistanz/Horizontalwinkel/Instrumentenhöhe/Reflektorhöhe).
Müsste man sich dann eventuell wirklich über Exce rechnen lassen, oder es gibt irgendein Stylesheet mit dem das auch geht...
Was gibt es denn in Jag3D genau für Routinen?

Du hattest natürlich Recht mit der Reihenfolge, erst Näherungskoordinaten und dann Mitteln, dann klappt das auch mit der Ausgleichung:).

Wo ich jetzt noch ein wenig Probleme habe ist in der Vorstellung der Ausgleichung. Bei der Freien Ausgleichung lege ich mein starres Netz so, dass es bestmöglich auf die Datumspunkte liegt. Wie eine 2D/3D Transformation. Das kann man sich gut vorstellen. Aber bei der dynamischen Ausgleichung, wo die Anschlußpunkt ein Fehlerbudget bekommen...wie verhält sich das wiederum auf mein Netz. Sehr hohe Genauigkeit der Anschlußpunkte drückt die Fehler dieser Punkte komplett ins Netz rein, eine niedrige Genauigkeit wirkt sich demnach nicht wirklich auf das Netz aus?!

Eventuell ist die Vorgehensweise auch so nicht schlecht (kannst mich da gerne korrigieren), wie gesagt, ich bin erst wieder am Einarbeiten in diese Materie:

Zuerst das Netz frei ausgleichen (Datumspunkte). Wenn die Beobachtungen okay sind, dann dynamisch ausgleichen (Anschlußpunkte). Punkte die nicht so gut passen bzw. schlecht passen nicht aktivieren sondern dann als Neupunkt einfügen, so dass die Beobachtung in der Ausgleichung erhalten bleibt. Anschließend frei ausgleichen ( eventuell halt ohne den "Ausreißer-Punkt")?
Spricht man dann von einer Teilspurminierung. Also freie Ausgleichung über alle Punkte -> Gesamtspurminimierung, freie Ausgleichung über nur einen Teil der Punkte -> Teilspurminierung?

Vielen Dank schon mal im Voraus. Deine Antworten helfen mir immer sehr!

Viele Grüße

Stephan

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Micha ⌂, Bad Vilbel, Mittwoch, 06. Juli 2016, 21:18 (vor 352 Tagen) @ Stephan

Hallo Stephan,

toll, dass Du einem im Forum so gut und so schnell immer hilfst. Großes Lob!

Danke. Bedenke aber, dass Du vor allem selbst hier gefordert bist. Es gibt ein Wiki, in dem viele Deiner Fragen beantwortet werden. Dort sind auch Beispielnetze mit Erklärungen. Die gibt es nicht grundlos. ;-)

Ja, ich wollte eigentlich nur ein 2D Lagenetz ausgleichen. So auch der ursprüngliche Titel meines Eintrages.Die Reduktionen kann man meines Erachtens bei meinem kleinen Netz vernachlässigen. Bei größeren Gebieten macht das natürlich auf jeden Fall Sinn.

So pauschal würde ich es nicht sehen. Wenn in einem Netz UTM-Koordinaten verwendet werden und man sich in der Nähe des Berührungsmeridians befinden, sind es immerhin 100 m-0,9996*100 m = 4 cm Streckenverzerrung auf 100 m. Das sollten gegenwärtige Instrumente schon auflösen können. Die Reduktion ist aber kein Ausgleichungsproblem, insofern war das nur ein Hinweis.

Bei den Zenitdistanzen müsste ich dann auch pro Standpunkt eine Importdatei machen?

Nein, warum? Es sind ja Winkel, die sich am Zenit orientieren. Folglich können diese, wie auch die Strecken, in einer Datei geführt werden. Normalerweise müssen nur die Richtungssätze mit unterschiedlicher Orientierung getrennt werden, alle anderen Daten können in einer Datei stehen.

Du hattest geschrieben man könnte die Ausgleichung auch trennen (2D+H-Lösung). Wie bewerkstellige ich das in Jag3D? Einmal ein Projekt mit nur 2D Beobachtungen und 2D Punkten rechnen? Und dann nochmal ein neues Projekt mit den 1D Elementen? Oder gibt es eine andere Möglichkeit?

Wenn Du die Zenitwinkel mit den Schrägstrecken in Horizontalstrecken und Höhenunterschiede umgewandt hast, kannst Du entweder ein 2D-Netz und ein 1D-Netz bestimmen - würde ich vermutlich so machen - oder beides in einem Netz vereinen, da ein 3D-Punkt auch Beobachtungen vom Type Horizontalstrecke und Höhenunterschied haben darf.

Müsste man sich dann eventuell wirklich über Excel rechnen lassen, oder es gibt irgendein Stylesheet mit dem das auch geht...
Was gibt es denn in Jag3D genau für Routinen?

Den Import hast Du doch bereits fleißig genutzt. Ist Dir der Eintrag Trimble nicht aufgefallen? ;-)

Sehr hohe Genauigkeit der Anschlußpunkte drückt die Fehler dieser Punkte komplett ins Netz rein, eine niedrige Genauigkeit wirkt sich demnach nicht wirklich auf das Netz aus?!

Im Prinzip, ja.

Zuerst das Netz frei ausgleichen (Datumspunkte). Wenn die Beobachtungen okay sind, dann dynamisch ausgleichen (Anschlußpunkte). Punkte die nicht so gut passen bzw. schlecht passen nicht aktivieren sondern dann als Neupunkt einfügen, so dass die Beobachtung in der Ausgleichung erhalten bleibt. Anschließend frei ausgleichen ( eventuell halt ohne den "Ausreißer-Punkt")?

Das hast Du mich bereits in Deinem ersten Posting gefragt und ich hatte drauf geantwortet. Ich bin mir nicht sicher, was Du von mir jetzt erwartest - wenn es unverständlich war, musst Du die Frage schon konkretisieren. ;-)

Spricht man dann von einer Teilspurminierung. Also freie Ausgleichung über alle Punkte -> Gesamtspurminimierung, freie Ausgleichung über nur einen Teil der Punkte -> Teilspurminierung?

Im letzten Absatz zum Datumsdefekt in der freien Ausgleichung wird diese Frage beantwortet. Umgangssprachlich kann man das sicher so sagen aber korrekt ist es nur, wenn die Normalgleichung ausschließlich Punkte enthält und alle anderen Zusatzparameter eliminiert sind. Die Spur einer Matrix müsste sich bei einer Gesamtspurminimierung schließlich auf die gesamte Matrix beziehen.

Weiterhin viel Erfolg
Micha

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Stephan, Donnerstag, 07. Juli 2016, 10:20 (vor 351 Tagen) @ Micha

Hallo Micha,

ja werde mir die wiki Einträge nochmal genauer anschauen.

Mir persönlich bringt es immer mehr mit jemanden über die Thematik zu sprechen bzw. zu schreiben:).

Ja, den Trimble Import habe ich gesehen. Arbeite aber lieber mit dem Jag3D Standardformat bzw. dem Nutzerspezifischen.

Jetzt muss ich mich nur noch über die Statistischen Größen informieren, sigma x und y ist klar, auch EP und so, aber den Rest werde ich sicherlich auch irgendwo in wiki oder im Internet finden. Dass ich dann auch beurteilen kann, passt die Beobachtung oder nicht, passt der Punkte oder nicht....aber hier ist die Möglichkeit mit dem Tabellenschema auch klasse.

Viele Grüße

Stephan

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Freie Netzausgleichung 2D Netz

Micha ⌂, Bad Vilbel, Donnerstag, 07. Juli 2016, 19:51 (vor 351 Tagen) @ Stephan

Hallo Stephan,

Mir persönlich bringt es immer mehr mit jemanden über die Thematik zu sprechen bzw. zu schreiben:).

Das kann ich durchaus auch nachvollziehen aber Du wirst leicht einsehen, dass ich das so nicht leisten kann und möchte. Bei spezielle Fragen stehe ich Dir auch gern weiterhin zu Verfügung.

aber den Rest werde ich sicherlich auch irgendwo in wiki

Korrekt, Du findest es bei den Abkürzungen der Datentabellen.

Viele Grüße
Micha

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Freie Netzausgleichung 2D Netz

Stephan, Dienstag, 12. Juli 2016, 12:37 (vor 346 Tagen) @ Micha

Hallo Micha,

ich habe doch nochmal ein kleines Anliegen an Dich. Ich habe nochmal ein 2D-Netz ausgeglichen, mein Kollege mit xdesy. Möchte den Umstieg auf Jag3d in unserem Büro:).
Ich habe mit Jag3D fast komplett identische Koordinaten für die Neupunkte erzielt wie die berechneten aus Xdesy.
Allerdings ist mir aufgefallen, dass wenn ich mit einer Winkelgenauigkeit von 2mgon rechne die Ergebnisse noch besser übereinstimmen wie mit 1.5mgon.
Das Instrument hat eine Winkelmessgenauigkeit von 1.5mgon und eine Streckengenauigkeit von 2mm.
Bei der Eingabe der Genauigkeit für Winkel und Strecke war ich nicht sicher welche Eingaben ich in den übrigen Feldern sigma b und sigma c eingeben muss. Sigma a wäre ja dann einmal 1.5mgon und einmal die 2mm.

Anbei die entsprechenden Deltas (Vergleich der Neupunktkoordintaten aus Xdesy mit Jag3D).

sigma = 1.5mgon sigma =2.0mgon
R [mm] H[mm] R[mm] H[mm]
100 0,7 0,5 0,3 0,2
101 0,4 -0,1 0,1 0,0
102 0,4 0,1 0,2 0,0
103 1,0 0,0 0,5 0,0
104 -0,6 0,1 -0,3 0,0
105 -1,4 -0,3 -0,7 -0,2
106 -0,2 0,2 -0,1 0,1
107 -0,1 0,3 0,0 0,2
108 0,2 0,3 0,0 0,1
109 0,1 0,1 0,0 0,1
110 0,0 0,1 -0,1 0,0
111 0,0 0,2 0,0 0,1
112 0,2 0,3 0,1 0,1
113 -0,5 -0,5 -0,2 -0,2
114 -0,6 -0,7 -0,3 -0,4
115 -1,4 -0,3 -0,7 -0,2
116 -0,2 -0,3 -0,1 -0,2

Okay, der Unterschied ist wirklich sehr marginal, aber dennoch wollte ich mich da bei Dir erkundigen.

Es klappt jetz immer besser mit Deinem Programm:-)!

Viele Grüße

Stephan

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Freie Netzausgleichung 2D Netz

Micha ⌂, Bad Vilbel, Dienstag, 12. Juli 2016, 17:52 (vor 346 Tagen) @ Stephan

Hallo,

Allerdings ist mir aufgefallen, dass wenn ich mit einer Winkelgenauigkeit von 2mgon rechne die Ergebnisse noch besser übereinstimmen wie mit 1.5mgon.

Wenn in beiden Programmen identische Eingangsdaten und Einstellungen getroffen worden sind, müssten diese auch identische Resultate erzielen, vgl. Vergleich der Ergebnisse verschiedener Netzausgleichungsprogramme.
Bei den Streckenunsicherheiten nutzen, wie Du im o.g. Link nachlesen kannst, einige Programme einen anderen Ansatz. In Deinem Fall sollte das aber nicht ins Gewicht fallen, da Du keinen streckenabhängigen Anteil vorgibst, soweit ich das verstanden habe.

Bei der Eingabe der Genauigkeit für Winkel und Strecke war ich nicht sicher welche Eingaben ich in den übrigen Feldern sigma b und sigma c eingeben muss. Sigma a wäre ja dann einmal 1.5mgon und einmal die 2mm.

Korrekt. Und die σb bzw. σc Werte sind in Deinem Fall zu Null zu setzen.

Okay, der Unterschied ist wirklich sehr marginal, aber dennoch wollte ich mich da bei Dir erkundigen.

Kein Problem. Wir haben unseren Vergleich ja extra auch deshalb gemacht, damit man möglichen Diskrepanzen mal näher begutachtet. Der Vergleich hat gezeigt, dass - von SpatialAnalyzer mal abgesehen - alle Programme nachvollziehbare Lösungen liefern und die Differenzen überwiegend in der Modellbildung des stochastischen Modells zu suchen sind.

Es klappt jetz immer besser mit Deinem Programm:-)!

Sehr gut!

Viele Grüße
Micha

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