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Netzausgleichung und Deformationsanalyse mit JAG3D (Software)

Micha ⌂, Bad Vilbel, Donnerstag, 01. Dezember 2016, 11:44 (vor 204 Tagen) @ Cyril

Hallo Cyril,

Ich habe Geodäsie studiert (mit Illner, Hinz, Voegtle...). Das war schön, manchmal ein bisschen schwierig wegen der Sprache aber trotzdem schön.

Es freut mich, dass es Dir in Karlsruhe gefallen hat.

Ich bin seit August mit dem KIT fertig und jetzt schreibe ich meine Masterarbeit in Montpellier (Südfrankreich).

Hierfür wünsche ich Dir gutes Gelingen!

Ich habe mein Netz nochmal ausgeglichen und ich habe das selbe Ergebnis wie Du (die Netzskizze zumindest).

Ich habe die Genauigkeiten der Richtungsmessungen etwas angepasst. Weitere Modifikationen habe ich nicht vorgenommen. Der Download enthält auch meine JAG3D-Projekt, sodass Du das nachvollziehen kannst.

Ich habe trotzdem eine Frage. Warum darf ich nicht meine Referenzpunkte als Festpunkte nutzen?

Das ist kein Verbot aber mir ist nicht geläufig, dass dies so gemacht wird. Ich weiß nicht, ob Du mit an der Linachtalsperre warst. Seinerzeit konnten Studierende zur HVÜ dort mit Michael Illner Überwachungsmessungen ausüben und auswerten. Es gibt hierzu auch einen Artikel in der zfv von Michael: Konzept und Ergebnisse von Deformationsmessungen an der Linachtalsperre. Das interessiert Dich vielleicht.

Wenn Du eine hierarchische Ausgleichung machst, übst Du Zwang auf das Netz aus. Die hierarchischen Punkte werden in der Auswertung als fehlerfrei angenommen. Ändern sich nun diese hierarchischen Punkte, so führt dies u.U. zu Fehlinterpretationen. Nehmen wir an, Du hast zwischen zwei hierarchischen Punkten die Strecke gemessen. Jetzt müsste diese gemessene Strecke übereinstimmen mit den aus Koordinaten berechneten Abstand (Pythagoras). Wenn sich jetzt einer der Punkte verändert hat, erhältst Du eine große Differenz, die Dir als Ausreißer angezeigt wird. Da Du eine hierarchische Ausgleichung machst und den Punkten uneingeschränktes Vertrauen schenkst, wird Dir nun die Strecke als grob falsch angezeigt - obwohl diese richtig wäre. Auf der anderen Seite wäre kritisch zu hinterfragen, woher die Koordinaten der Pfeiler kommen und wie diese (nahezu) fehlerfrei bestimmt wurden.

Bei einer freien Ausgleichung würde der verschobene Punkte an seine gegenwärtige Position geschoben werden. Dieser erhält dann natürlich neue Koordinaten aber das ist ja schließlich auch korrekt, da dieser sich verändert hat. In der Deformationsanalyse stellt man Veränderungen eines Netzteils gegenüber einem anderen fest. Wenn Deine Pfeiler stabil sind, dann würdest Du Änderungen am Damm in Relation zu den Pfeilern ermitteln. Die absolute Position der Pfeiler spielt also nur eine untergeordnete Rolle, da die Analyse auf der Basis der inneren Netzgeometrie beruht.

In der freien Ausgleichung erhalten alle Punkte neue Koordinaten. Das ist korrekt. Haben sich die Pfeiler nicht verändert, dann liegen diese Änderungen aber im Rahmen der Messgenauigkeit. Das halte ich für unproblematisch, da Dich ja nur die relativen Veränderungen interessieren.

Ich habe es probiert aber ich habe die folgende Fehlernachricht bekommen: "Fehler. Das Projekt enthält 4 Datumspunkte und 9 Referenzpunkte. Die Kombination wird undefiniert".

Schau Dir bitte diese Tabelle im Wiki an zum Thema Ausgleichungstypen. Dort ist definiert, welche Punktearten kompatibel mit einer hierarchischen, dynamischen oder freien Ausgleichung sind. Datumspunkte sind demnach nur in einer freien Ausgleichung erlaubt. Wenn Du zwingend etwas hierarchisch ausgleichen willst, dann sind nur die Punktarten: Neupunkt, Anschlußpunkt (mit Unsicherheiten) und Festpunkte (Fehlerfreie) erlaubt.

Mein Kollege hat immer das Netz mit Referenzpunkte als Festpunkte ausgeglichen.

Es war nur ein Hinweis von mir. Wenn Du die Vorgabe hast, es anders zu machen, dann steht Dir das natürlich frei.

Viele Grüße
Micha

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Tags:
Netzausgleichung, Deformationsanalyse


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